Menü

Der Sieger ist ein Stier

Der „Jennerstier“ ist nichts für Weicheier. Das Rennen am Rande des einzigen deutschen Alpennationalparks, dem „Nationalpark Berchtesgaden“, ist hart und anspruchsvoll. 1.874 Meter ragt der Gipfel des Jenners gen Himmel, zu seinen Füßen breitet sich der Königssee aus. Von gegenüber grüßt der Watzmann und nebenan winkt der Hohe Göll. 

Skibergsteiger, die zum „Jennerstier“ kommen, dürfen sich auf abwechslungsreiches Gelände großteils im freien Skigelände bergauf und eine spannende Abfahrtsroute freuen. 
 
Bei den ersten Rennen führte die lange Distanz von der Talstation der Bergbahn direkt hinauf Richtung Gipfel. Ab der Mittelstation ging teils über gesperrte Pisten, teils durch schwieriges Gelände. Durch den „Kleinen Spinnergraben“ führt die Strecke zur Bergstation, von dort aus müssen die Ski auf dem Rücken zum Gipfel getragen werden. Durch den „Großen Spinnergraben“ geht’s wieder hinunter Richtung Mittelstation. Die Teilnehmer der kurzen Runde sind hier bereits am Ziel, für die großen Jennerstiere geht es erneut bergauf zum Gipfel und wieder hinab. Ab 2011 wird im Bereich der Mittelstation gestartet, 2015 erstmalig am 100 Höhenmeter tiefer gelegenen Beschneihungsweiher. 
 
Richard Lenz von der Alpenvereinssektion Berchtesgaden war 2006 Initiator des ersten Jennerstiers. Die ersten Jahre war der Königsseer als Organisationsleiter, später als Streckenchef für den Wettbewerb zuständig. Ihm zur Seite steht eine engagierte Truppe ehrenamtlicher Helfer der DAV Sektion Berchtesgaden, die seit 2006 dafür sorgt, dass sich Spitzen- und Hobbysportler am Jenner wie zu Hause fühlen. 
 
Woher kam die Idee für den „Jennerstier“?
Richard Lenz: Der Deutsche Alpenverein wollte ein großes, internationales Rennen nach Deutschland bringen und dachte hier natürlich an die Hochburg des Skitourensports Deutschland, an Berchtesgaden. Kleine Wettbewerbe wie den Götschenfuchs und die Watzmanngams gab es schon, aber diese Veranstaltungen konnten nicht entsprechend ausgebaut werden, dafür waren die Bedingungen nicht vorhanden. Der Jenner bot sich an, weil der Berg ideal erschlossen ist, außerdem ist er einer der Hauptskitourenberg in unserer Region.
 
Worauf lag das Augenmerk bei der Streckenwahl?
An einen internationalen Wettkampf im Skibergsteigen werden bestimmte Anforderungen gestellt. Neben Streckenpassagen auf der Piste muss es auch ins steile Gelände gehen, eine eingebaute Tragepassage ist ebenfalls erwünscht. Herausgekommen ist eine Strecke, die es wirklich in sich hat, je weiter man raufkommt. Wer am Jenner gewinnt ist ein Stier.
 
Daher auch der Name „Jennerstier“?
Genau. Bei uns wird jemand der richtig gut beieinander ist, als Stier bezeichnet. Ein Jennerstier-Sieger muss aber nicht nur konditionell gut drauf sein, er muss ein echter Allrounder sein und alles beherrschen, von der Pistenbollerei bis hin zur perfekten Aufstiegs- und Abfahrtechnik.
 
Was muss bei der Organisation eines Skitourenrennens alles bedacht werden?
Bei aller Planung hat stets die Sicherheit des Teilnehmers absolute Priorität. Wir arbeiten ganz eng mit der Bergwacht zusammen, die die Lawinensituation genau im Auge hat. Wenn die Bedingungen nicht passen, wird nicht gestartet oder die Route wird verlegt. Was die Organisation betrifft, ist man eigentlich das ganze Jahr über beschäftigt, das fängt bei der Sponsorenakquise an und hört bei der Homepagepflege auf. 
 
 
Was macht den „Jennerstier“ so besonders?
Die Landschaft ist unvergleichbar und der Berg phantastisch. Ein großer Vorteil am Jenner ist die Tatsache, dass wir als Organisatoren je nach Wetter- und Schneesituation flexibel reagieren können. Dazu haben wir ein perfekt eingespieltes Helferteam, das mit Herzblut bei der Sache ist und Zeitnehmer, die von Beginn an dabei sind. Wir wissen, was Skibergsteiger wünschen, weil wir selbst Aktive sind und viel Erfahrung mitbringen. Und auch Zuschauern versprechen wir ein attraktives Rennen, dass sie von verschiedenen Positionen aus verfolgen können. 
 

Faszination Skibergsteigen 

 
Skibergsteiger gibt es viele und es werden immer mehr, in den letzten Jahren entwickelte sich hier in richtig gehender Trend. Abseits von befahrenen Pisten, von Trubel und Remmidemmi suchen sie die Ruhe der Bergwelt. Sie wollen aus eigener Kraft hinauf – und am liebsten durch unverspurten Pulverschnee wieder hinab. So wie früher, als es noch keine Liftanlagen gab und Skifahren etwas für sportliche Zeitgenossen war.  Aber es gibt auch immer mehr Skibergsteiger, die die vermeintlich sichere Infrastruktur der Skigebiete für den Aufstieg und Abfahrt über die präparierten Pisten nutzen.
 
Was die wenigsten wissen: das Skibergsteigen kann auch auf eine lange Tradition als Wettkampfsport zurückblicken. Bereits 1893 wurden in Deutschland die ersten Bewerbe ausgetragen. In der Folgezeit waren die Rennen vor allem als militärische Patrouillenläufe populär. Von 1924 bis 1948 war diese Disziplin sogar im Programm der Olympischen Winterspiele verankert. 
 
Auf nationaler Ebene ist der Deutsche Alpenverein (DAV) der vom Deutschen Olympischen Sportbund anerkannte Fachverband für das Wettkampf-Skibergsteigen. Der DAV unterhält eine Nationalmannschaft im Skibergsteigen und veranstaltet mit dem DAV-Skitourencup die höchste nationale Wettkampfserie in dieser Sportart. Als zuständiger Fachverband richtet der DAV außerdem die Deutschen Meisterschaften im Skibergsteigen aus. In den letzten 10 Jahren wurden die Deutschen Meisterschaften – in unterschiedlichen Wettkampfformen – immer am Jenner ausgetragen. 
 
Zum Seitenanfang